Lateinamerikanisches Kino

LOS PERROS

CHILE/F/ARG 2017, 94 Min., span. OmU, DCP, FSK: k.A., Regie+Buch: MARCELA SAID Kamera: Georges Lechaptois, Musik: Gregoire Auger Mit: Antonia Zegers, Alfredo Castro, Alejandro Sieveking, Rafael Spregelburd

DO 6.6. FR 7.6. SA 8.6. SO 9.6. MO 10.6. DI 11.6. MI 12.6.
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Los Perros – die Hunde: Im zweiten Spielfilm von Marcela Said spiegeln Hunde die Strukturen der chilenischen Gesellschaft. Neptuno, eine Promenadenmischung stirbt und wird durch einen Dalmatiner ersetzt. Von ihrem Mann bekommt Mariana, die Protagonistin, ein Bild mit Windhunden, die um ein Mädchen drapiert sind und in ihrer Galerie stellt sie zeitgenössische Mensch-Hund-Fratzen aus.  

Mariana geht es gut. Ihre Familie ist zu Pinochets Zeiten zu Wohlstand gekommen. Mariana wird die Firma des Vaters übernehmen. Doch noch steht er in der Verantwortung, und sie soll nicht zu viel fragen, schon gar nicht nach der Vergangenheit. Dass sie Pedro den sehnlich gewünschten Nachwuchs bisher nicht schenken konnte, kümmert sie wenig. Viel Zärtlichkeit und körperliche Nähe ist nicht vorhanden zwischen den beiden. Man trifft sich zufällig, zeigt sich dann und wann gemeinsam in Gesellschaft, Gespräche enden meist im Zwist. So hat Mariana viel Zeit zu tun, was ihr beliebt.

Sie nimmt Reitstunden bei Juan, einem charmanten ehemaligen Colonel. Mariana verliebt sich, merkt später erst, dass Juan, genauso wie ihr Vater und ihr Mann, eine zwielichtig-belastende Vergangenheit hat. Doch lässt Juan bei Reitausflügen Fragen bisweilen zu. So blickt Mariana, die zu jung ist, um direkt in der Verantwortung für damals Geschehenes zu stehen, in schwindelerregende Abgründe…  

„Los Perros“ ist über weite Strecken ein Film von betörender Naturidylle, und er hat etwas Somnambules an sich. Antonia Zegers spielt Mariana schroff, aber intensiv, als eine Frau, die in einer männerdominierten Welt unerschrocken-fatalistisch ihre Wege zu gehen versucht. So ist „Los Perros“ ein verhalten nach Emotionalitäten tastender Frauenfilm und zugleich das beunruhigende Porträt einer Gesellschaft, welche alles tut, die Vergangenheit auszublenden. (nach: Irene Genhart, cineman)