Musik im Fokus

SHUT UP AND PLAY THE PIANO

D/F/GB 2018, 82 Min., OmU, DCP, FSK: ab 0
Regie+Buch: Philipp Jedicke Kamera: Marcel Kolvenbach, Musik: Chilly Gonzales
Mit: Chilly Gonzales, Peaches, Daft Punk, Jarvis Cocker, Leslie Feist, Sibylle Berg u.a

DO 6.12. FR 7.12. SA 8.12. SO 9.12. MO 10.12. DI 11.12. MI 12.12.
20:00 19:00 21:30 15:00 -- -- --

Ein Film über einen Vollblutentertainer wie Chilly Gonzales kann eigentlich kaum schiefgehen. Der in Kanada geborene, dann jahrelang in Berlin lebende und mittlerweile in Köln residierende Musiker, dessen bürgerliche Name Jason Beck lautet, ist so clever und versiert im Umgang mit dem Publikum und den Medien, dass selbst seine zur Schau getragene Großkotzigkeit ihm noch Sympathiepunkte einbringt. Mehr noch – sie erscheint in all ihrer Selbstironie geradezu als Grundbedingung für seinen Erfolg.

Philipp Jedickes Film durchmisst das bisherige Leben und die Karriere von Jason Beck mehr oder minder chronologisch und mit prominenten Begleitern, unter denen es Sibylle Berg obliegt, in einem rahmenden Interview den Musiker zu befragen: Gonzales erzählt von seiner Kindheit in Montreal, wo sein Vater eines der größten Bauunternehmen des Landes leitete.

Später gründete er gemeinsam mit seinem Bruder Christopher Beck eine Band, studierte Jazz-Piano und formte gemeinsam mit Peaches, Leslie Feist und Mocky eine Formation namens The Shit (weil sie „der richtig heiße Scheiß“ waren), die wilde Performance-Konzerte zwischen Electroclash und Punk gab. So entstand eine kreative Keimzelle des musikalischen Undergrounds in Montreal. Doch Freigeistern wie Peaches und Gonzales wurde die beschauliche kanadische Metropole schnell zu klein – und so kam es zum Umzug nach Berlin, wo eine andere, freiere, wildere Art der Kreativität herrschte.

Bis dann der jähe Bruch und die radikale Neuerfindung kam: Statt lautem Electroclash und derben Raps hatte Gonzales ein Album namens Solo Piano aufgenommen, das auf dem schmalen Grat zwischen Klassik, Jazz und Pop wandelte und das für Eingeweihte wie eine Mischung aus Filmkompositionen und Stücken von Eric Satie für das 21. Jahrhundert klang. Seitdem konzentriert sich Gonzales vor allem auf diese Art von Musik, die er gleichwohl immer wieder ironisch bricht und ad absurdum führt, wenn er etwa zu den Tönen eines sinfonischen Orchesters wie ein echter Rockstar crowdsurft, mit seinem Brusthaar angibt und keinen Millimeter von seinem selbstverliehenen Geniestatus abweicht. (KinoZeit)

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