NANOUK

Ága., Bulgarien/D/F 2018, 96 Min., OmU+dF*, DCP, FSK: ab 6,
Regie: MiLko lazarov Buch: Simeon Ventsislavov, Kamera: Kaloyan Bozhilov, Musik: Penka Kouneva
Mit: Mikhail Aprosimov, Galina Tikhonova, Feodosia Ivanova, Sergey Egorov

DO 15.11. FR 16.11. SA 17.11. SO 18.11. MO 19.11. DI 20.11. MI 21.11.
-- 21:00* 19:00 17:00 20:00 20:00* 20:00*

Er habe ein Rentier gesehen, erzählt Nanook seiner Frau Sedna, als er zurück nach Hause kommt. Nanook war jagen, doch es ist der fünfte Tag in Folge, an dem er nichts finden konnte. Nur das Rentier war da. Oder war es nur eine Fata Morgana? Eine flüchtige Erinnerung an früher? 

Dieses Früher, es spielt eine große Rolle in Milko Lazarovs Film. Früher, In der kargen Eiswüste Jakutiens, hoch oben im Nordosten des asiatischen Teils Russlands, gab es noch Rentiere, ganze Herden sogar, die sich die Einheimischen hielten. Früher gab es noch mehr Menschen außer Sedna und Nanook, die ein traditionelles Leben lebten. In Jurten, mit Fellen, aus denen sie sich Kleidung machten, mit Rentieren und Schlittenhunden, Fischsuppe und dem Gesang der Maultrommel. Und vor allem mit Geschichten über mythische Rentiere und Götter, die im ewigen Eis lebten. Doch die Götter sind weg, das Eis schmilzt jedes Jahr früher und die Tiere gibt es nicht mehr. Und auch Ága, die Tochter, ist weg. Warum genau wird der Film nicht beantworten, doch man spürt, es ist etwas vorgefallen zwischen Nanook und seiner Tochter. Nun sind er und seine Frau allein. Unendlich allein. Und die Hüter der letzten Geheimnisse der Tundra. 

Lazarovs Film bleibt ganz nah bei den beiden Figuren, fast so als wollte er jedes Detail, jeden Schritt, jedes Lied und jede Geschichte einfangen und verewigen, bevor sie verschwinden. Die ewig weiten, weißen Landschaften bieten Raum für Besinnung und sind gleichsam gefährlich und verachtend. Nanook kennt das Terrain, doch seine Fragilität ist immer sichtbar. Er ist alt geworden und ihm fehlt gänzlich der Halt einer Gesellschaft, eines Dorfes, einer Kultur. Er ist, so zeigt der Film immer wieder, mutterseelenallein da draußen. Während er jagt, bleibt Sedna zuhause und füllt die Jurte mit Wärme, Essen, mit Kräutern und altem, weisem Wissen ihrer Vorfahren. Sie ist die letzte, die die Geheimnisse kennt, die die Tinkturen selbst machen kann, die Nanooks müde Beine von ihrem Schmerz befreien. Auch sie ist isoliert, oft allein, wenngleich in einer Umgebung, die freundlicher erscheint. (KinoZeit)

Begleitend zeigen wir am 18.11. um 11:30 Uhr, den Stummfilm „Nanuk, der Eskimo“, der vor knapp 100 Jahren gedreht wurde und das Leben von Menschen in einer extremen Umgebung dokumentiert.

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